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2003

HERZINFARKT FAKTEN

   Der Herzinfarkt ist eine lebensbedrohliche Krise der Herztätigkeit aufgrund einer Unterversorgung des Herzens mit Sauerstoff. Deren Ursache ist meist eine Schädigung der Herzkranzgefäße und ein auslösendes Blutgerinnsel. Es gibt bekannte Risikofaktoren, die vor allem mit dem Alter, einer koronaren Herzerkrankung, aber auch mit beeinflußbaren Faktoren wie mit dem Rauchen und der Ernährung zusammenhängen und gegen die eine entsprechende Vorbeugung möglich ist.
Je rascher ein Herzinfarkt behandelt wird, desto geringer ist die Schädigung des Herzmuskels und damit die Komplikationsgefahr. Die Blutgerinnsel können medikamentös oder mittels Eingriff aufgelöst werden. Wird er rechtzeitig erkannt, sind die
Heilungschancen bei Herzinfarkt in der Mehrzahl der Fälle gut. Die Rehabilitation umfasst körperliches Training, Aufgabe des Rauchens, Entspannung und eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten.

   Der Herzinfarkt (eigentlich Herzmuskelinfarkt, Fachausdruck "Myokardinfarkt") ist eine akute, lebensbedrohliche Krise der Herztätigkeit. Ein akuter Herzinfarkt bedeutet meist einen Arterienverschluss an den Herzkranzgefäßen (Koronarsklerose) und die damit verbundene Einschränkung des herzversorgenden Blutflusses.
Beim Herzinfarkt handelt es sich um eine der häufigsten Herzerkrankungen überhaupt. In den Industrieländern sterben mehr Menschen an einem Herzinfarkt als an irgend einer anderen Krankheit. Gefährdet sind vor allem Männer ab einem Alter von 40 Jahren, wobei bei Frauen die Häufigkeit ansteigend ist. Da ein Herzinfarkt nicht in allen Fällen diagnostiziert wird, wird eine relativ hohe Dunkelziffer vermutet, vor allem wenn der Infarkt nicht zum Tod führt
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Ursachen
  
Ein akuter Herzinfarkt wird dadurch ausgelöst, dass die Versorgung des Herzmuskels durch die Verstopfung einer Herzkranzarterie abrupt unterbrochen wird. Die direkte Ursache für einen akuten Herzinfarkt, der vor allem dann eintritt, wenn schon eine koronare Herzkrankheit vorliegt, ist in der medizinischen Diskussion umstritten. Man weiß aber, dass in fast allen Fällen ein arterieller Verschluss vorliegt, von dessen sofortiger Behandlung die Heilungschancen abhängen.
Durch die
Arteriosklerose kommt es zu Ablagerungen in den Blutgefäßen, die besonders im Bereich der Herzkranzgefäße bedrohliche Folgen haben können. Die meisten Infarkte entstehen durch das Aufplatzen (Ruptur) eines Fettdepots (Plaque) an der Innenseite (Intima) eines Herzkranzgefäßes. Es bilden sich rasch Blutgerinnsel, die das Gefäß fast oder ganz verschließen können. Der Teil des Herzens, der von diesem Gefäß versorgt wird, bekommt keinen Sauerstoff mehr - wenn dieser Zustand einige Stunden anhält, kommt es zum Absterben (Nekrose) der Muskelpartien und somit zum Infarkt.
Können die Muskelzellen des Herzens längere Zeit nicht mehr mit Sauerstoff versorgt werden, ist das betreffende Gewebe vom Absterben bedroht. Zurück bleiben Narben im Gewebe, was eine Einschränkung der Herztätigkeit bedeutet. Das Ausmaß der Schädigung des Muskels hängt davon ab, welches Gebiet des Herzmuskels von dem betroffenen Blutgefäß versorgt wird und wie lange die Unterversorgung anhält.
Ein Herzinfarkt kann durch Blutdruckschwankungen ausgelöst werden, oft bei körperlicher Anstrengung oder in einer Stress-Situation ausgelöst werden. Stress ist dabei nicht die Ursache, sondern meist (in ca. der Hälfte aller Fälle) der zusätzlich auslösende Faktor für einen Herzinfarkt.
Die Unterversorgung des Herzmuskels mit Sauerstoff infolge eines Herzinfarktes führt in kürzester Zeit zu irreparablen Gewebeschäden. Über die Hälfte des Herzmuskelgewebes an der durch den Infarkt betroffenen Herzgegend ist nach bereits drei Stunden Unterversorgung zerstört. Wird nach einem akuten Herzinfarkt die geschädigte Stelle der herzversorgenden Arterie nicht innerhalb von drei bis sechs Stunden geöffnet, stirbt aufgrund des Sauerstoffmangels ein Teil des Herzmuskels ab und hinterlässt ein geschwächtes Herz.

Risikofaktoren

  • Das Risiko eines Herzinfarktes steigt mit dem Alter, wenn sich eine über die Lebensjahre entwickelnde Arteriosklerose auf die Herzkranzgefäße gefährlich auszuwirken beginnt (Koronarsklerose).
  • Das Risiko ist auch höher, wenn in der Familie bereits Herz-Kreislauferkrankungen vorkommen. Hohe Cholesterinwerte und die Neigung zur koronaren Herzkrankheit können durch erbliche Anlagen begünstigt werden.
  • Besonders gefährdet sind Raucher, unabhängig von Geschlecht und Alter: das Risiko ist bis zu 70 Prozent erhöht, bei starken Rauchern steigt das Herzinfarkt-Risiko gegenüber Nichtrauchern um das Doppelte bis Dreifache.
  • Bluthochdruck-, Diabetes- und Gichtpatienten gehören zu den Risikogruppen.
  • Ein erhöhter Cholesterinspiegel steigert das Risiko von Arteriosklerose und damit für einen Herzinfarkt.
  • Übergewicht, Bewegungsmangel und Stresssituationen begünstigen eine koronare Herzkrankheit und damit auch das Entstehen eines Herzinfarktes.
  • Personen, die unter Angina pectoris leiden oder zu einer koronaren Herzerkrankung neigen, tragen ein hohes Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden.
  • Psychische Befindlichkeitsstörungen wie Angst, Erfolgsdruck, Unruhe, emotionale Krisen und existenzielle Sorgen erhöhen das Risiko einer Herzerkrankung und eines Herzinfarktes.

Besondere Risiken für Frauen

  • Frauen in der Menopause leiden öfter unter Störungen des Fettstoffwechsels und weisen eine erhöhte Neigung zur Bildung von Blutgerinnseln auf. Ohne Hormontherapie (Östrogentherapie) verstärkt sich bei Frauen ab ca. 55 Jahren möglicherweise die Entwicklung von Arteriosklerose.
  • Bei Frauen, die rauchen und gleichzeitig die Pille nehmen, steigt das Risiko eines Herzinfarkts, auch bei jüngeren Frauen

Vorbeugung

  • Einem Herzinfarkt lässt sich, wie jeder koronaren Herzkrankheit, durch eine gezielte Änderung der Lebensumstände vorbeugen. Unmittelbare Schritte dazu sind:
  • Das Rauchen aufgeben. Der Verzicht auf das Rauchen ist die wirksamste Risikoverminderung.
  • Gesundheitsbewusst ernähren
  • Eine positive Wirkung auf die Herz-Kreislauftätigkeit hat ein mäßiger Alkoholgenuss
  • Lernen, mit beruflichem Stress und privaten Belastungen umzugehen. Schon ein Gespräch über persönliche Probleme kann ein erster Schritt in diese Richtung sein.
  • Regelmäßige körperliche Bewegung stärkt die Leistungsfähigkeit des Herzens. Es ist nie zu spät, mit einer leichten Ausdauersportart zu beginnen.
  • Einige Medikamente sind geeignet, bei entsprechend ausgewählten Patienten das Risiko eines Infarktes zu verringern: Acetylsalicylsäure, Betablocker, Cholesterinsenker (Statine), und vermutlich auch das B-Vitamin Folsäure, welches einen erhöhten Blutspiegel des Eiweissstoffes Homocystein senkt. Erhöhte Homocysteinspiegel werden gehäuft bei Infarktpatienten gefunden. Ob eines oder mehrere dieser Medikamente bei einem konkreten Patienten sinnvoll ist, muss der Arzt anhand der konkreten Befunde des Patienten überlegen.

Früherkennung
Durch eine rechtzeitige und regelmäßige Gesundheitsuntersuchung lässt sich das Entstehen einer koronaren Herzkrankheit und eine Herzinfarkt-Gefährdung in vielen Fällen feststellen.
Anhaltspunkte dafür, ob die Gefahr eines Herzinfarkts besteht oder nicht, liefert der surfmed Infarktrisiko-Test.

Beschwerden

  • Der akute Herzinfarkt äußert sich als plötzlicher, sehr starker, dumpfer und einschnürender Schmerz in der Brust.
  • Atemnot
  • Angst- und Schwächegefühl, oft verbunden mit Herzrasen
  • Übelkeit bis hin zum Erbrechen, Durchfall
  • Ausbruch kalten Schweißes, die Gliedmaßen kühlen ab
  • Ausstrahlung des Schmerzes in den Bauch (mögliche Fehldeutung: Magenbeschwerden!) oder in den linken Arm, manchmal auch in den Hals und den Unterkiefer (mögliche Fehldeutung: Zahnweh!) oder in den Rücken
  • Wer an Angina pectoris leidet, bemerkt den Herzinfarkt an einem ungewöhnlich starken Schmerz
  • Lässt bei Angina pectoris der Schmerz nicht nach, dann handelt es sich wahrscheinlich um einen Herzinfarkt
  • Ein Herzinfarkt ist zwar eine plötzlich eintretende Krankheit sie hat jedoch eine Vorgeschichte. Warnsignale des Körpers, die einen drohenden Herzinfarkt ankündigen, sind unter Umständen auch chronische Müdigkeit, Benommenheit und andauerndes Schwächegefühl

Besondere Beschwerden bei Frauen
Übelkeit, Sodbrennen, Schmerzen im Oberbauch sind Beschwerden, die besonders Frauen haben, wenn sie einen Herzinfarkt erleiden. Generell kann es zu anderen Schmerzsymptomen kommen als bei Männern. Der Schmerz tritt manchmal diffuser auf und wird möglicherweise als Magenschmerzen oder Verdauungsstörungen fehl gedeutet. Das Risiko einer koronaren Herzkrankheit wird bei Frauen eher unterschätzt und der Herzinfarkt oft nicht sofort erkannt.

Stummer Herzinfarkt
In etwa einem Fünftel aller Fälle kommt es nicht zu den typischen Schmerzen. Die Beschwerden können auch im Ruhezustand beginnen, viele Herzinfarkte ereignen sich in den frühen Morgenstunden noch vor dem Aufwachen, wenn die Körperaktivitäten wieder aufleben und damit auch die Thromboseneigung steigt.
Von einem "stummen" Herzinfarkt spricht man, wenn die Schmerzen nicht eindeutig sind und nicht ernst genommen werden. Dies kommt häufiger bei Frauen vor als bei Männern, weiters bei älteren Personen und bei Diabetikern, da diese Patienten eine geringere Schmerzsensibilität haben können. Das Ausmaß und der Grad der Schädigung des Herzmuskels sind bei einem stummen Herzinfarkt jedoch nicht unbedingt geringer als bei einem anderen Herzinfarkt. Daher sollte man auch bei bloßem Verdacht den Notarzt rufen.

Mögliche Komplikationen

Durch den Infarkt ist der Herzmuskel in seiner Tätigkeit eingeschränkt. Damit gerät das Herz aus dem Takt, es schlägt arrhythmisch. Wie schwer ein akuter Herzinfarkt ist und wie er verläuft, welche Therapiemöglichkeiten und Heilungschancen damit gegeben sind, hängt wesentlich davon ab, ob weitere Komplikationen auftreten. Vor allem kleinere Herzinfarkte müssen keineswegs lebensbedrohlich verlaufen, es gibt jedoch mögliche ernste Komplikationen:

  • Plötzlicher Herztod:
    Aufgrund der schwächeren Herzleistung und der Ausdehnung der Gewebeschädigung nach einem Infarkt kann es zu einem Pumpversagen und damit zu einem möglichen Herzstillstand kommen. In der Herzüberwachungsstation kann beim Infarktpatienten der Füllungsdruck der linken Herzkammer gemessen und überwacht werden, um einem sich anbahnenden Pumpversagen mit Medikamenten entgegenzuwirken (hämodynamisches Monitoring).
  • Rhythmusstörungen (Arrhythmien):
    Die Sauerstoff-Unterversorgung kann auch zu einer ungeregelten, chaotischen Erregung der Herzmuskelzellen führen, wobei auch kleine Infarkte zu solchen Störungen führen können, und im Extremfall durch Kammerflimmern zum Tod führen, wenn nicht sofort Wiederbelebungsmaßnahmen erfolgen (möglichst bald gefolgt von Elektroschocktherapie zur Wiederherstellung des normalen Herzrhythmus).
  • Herzwandruptur:
    Dabei handelt es sich um einen Einriss der Herzwand, eine ebenfalls lebensbedrohliche Komplikation des Herzinfarktes. Diese Komplikation kann innerhalb einer Woche nach dem akuten Herzinfarkt eintreten. Weil eine solche Herzwandruptur eine mechanische Ursache des Herzversagens ist, gibt es kaum Behandlungsmöglichkeiten.
  • Pumpversagen:
    Wenn über 40 Prozent der linken Herzkammer vom Infarkt betroffen sind, tritt besonders häufig ein kardiogener Schock auf, vor allem bei älteren Patienten mit schwerer koronarer Herzkrankheit. Es kommt dabei zu einem Pumpversagen, weil ein großer Teil des Herzmuskels geschädigt und so das Herz in seiner Kontraktionsfähigkeit schwer eingeschränkt ist.
  • Herzschwäche:
    Nach einem Herzinfarkt kommt es aufgrund der Gewebeschädigung zu Veränderungen an den Herzwänden, die auch das noch gesunde Gewebe betreffen. In der Fachsprache wird dies als "ventrikuläres Remodeling" bezeichnet. In der Folge verändern und dehnen sich die Herzkammern. Über Monate und Jahre hinweg kann sich so eine Herzinsuffizienz entwickeln.

Diagnose

  • Der Herzinfarkt ist ein medizinischer Notfall, die Diagnosestellung im Krankenhaus beginnt mit dem Elektrokardiogramm (Ruhe-EKG). Dabei werden die Zeichen für eine Myokardnekrose, also für Grad und Ausmaß der Gewebezerstörung am Herzmuskel, festgestellt. Weiters ist damit die Myokardischämie, die Schwere der Sauerstoff-Unterversorgung, nachweisbar.
  • Biochemische Indikatoren: Bei einem Herzinfarkt werden spezifische Proteine, sogenannte Herz-Enzyme, ins Blut freigesetzt. Das ermöglicht den klinischen Nachweis eines Herzinfarktes: die labormedizinische Untersuchung einer Blutprobe kann jene Enzyme identifizieren, die bei einem Infarkt in größeren Mengen ins Blut gelangen. Damit lassen sich Zeitpunkt und Größe des Herzinfarktes bestimmen. Die rasche Untersuchung des Blutes auf Herz-Enzyme ist jetzt schon am Krankenbett möglich, was besonders bei Infarktpatienten mit unklarem EKG wichtig ist - es spart Zeit und ermöglicht rascher die richtige Therapie-Entscheidung (allerdings kann es Stunden bis zum eindeutigen Anstieg der Laborwerte dauern).
  • Echokardiografie: Sie dient der Lokalisierung der Infarktgegend und der Abschätzung der Herzleistung und liefert damit die Grundlage für die weitere Therapie-Entscheidung . Um das Herz auch "von hinten" sehen zu können, kann dazu auch eine Sonde über Speiseröhre und Magen verwendet werden
  • Zur erweiterten Diagnostik gehört ein nuklearmedizinisches Verfahren, die Szintigrafie. Damit kann die Herzdurchblutung abgebildet werden, um die Vitalität des Herzmuskels festzustellen. Sie dient der Lokalisierung von geschädigtem Herzmuskelgewebe, ermöglicht allerdings nicht die exakte Unterscheidung zwischen vernarbtem (von einem früheren, möglicherweise unbemerkten Herzinfarkt) und einem aktuell geschädigten Gewebe. Beim akuten Herzinfarkt ist diese Methode zu unspezifisch und wird daher erst in der Nachuntersuchung eingesetzt.

Behandlung

Sofortmaßnahmen
Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt muss sofort die Rettungsdienst oder der Notarzt gerufen werden, eine schnelle Reaktion ist in so einem Fall das Wichtigste. Je schneller ärztliche Hilfe eintrifft, desto besser sind die Chancen, den Herzinfarkt zu überstehen. Bei Herzstillstand müssen sofort Wiederbelebungsmaßnahmen erfolgen (Erste Hilfe: Herzmassage). Die Hälfte aller Todesfälle aufgrund eines Herzinfarktes ereignet sich in den ersten Stunden, daher muss die betroffene Person so rasch wie möglich in die Herzüberwachungsstation eingeliefert werden.

Vor Eintreffen des Notarztes
Bis der Herzinfarkt-Patient in die Notfallaufnahme eines Krankenhauses gebracht werden kann, muss er ruhig gehalten werden. Oberkörper hoch lagern, beengende Kleidung lockern, hinlegen, wenig sprechen, möglichst nicht bewegen: Der Patient muss bis zum Eintreffen des Arztes jegliche körperliche Anstrengung und sonstige Aufregung vermeiden. Jede Aktivität, die nach einem Herzinfarkt zu einer Steigerung der Herztätigkeit führt, kann den Infarktherd vergrößern. Wenn möglich, wird der betroffenen Person daher vom Arzt zuerst ein Beruhigungsmittel gegeben (als bewährt gelten Benzodiazepine).

Auf dem Weg zum Krankenhaus
wird der Notarzt mit der Behandlung des Infarktpatienten beginnen, indem er Sauerstoffzufuhr, Azetylsalizylsäure, Nitropräparate, Beruhigungs- und Schmerzmittel (Analgetika) gibt. Die Schmerzmittel verhindern unter anderem eine Erhöhung des Sauerstoffverbrauchs und können daher der Gefahr einer Ausweitung des Infarktes und der Auslösung von Herzrhythmusstörungen entgegenwirken.

Im Krankenhaus
werden Herzinfarktpatienten in die Intensivstation (Herzüberwachungsstation) eingewiesen. Während der ersten 12 Stunden nach einem akuten Infarkt darf der Patient keinerlei körperliche Aktivitäten ausführen, da dies den Herzinfarkt vergrößern könnte. Beruhigungsmittel vermindern den allfälligen Ativitätsdrang des Patienten. Eine möglichst rasche Auflösung des Gefäßverschlusses, der zum Infarkt geführt hat, ist nun das unmittelbare Ziel der Behandlung. Zur Öffnung des Gefäßverschlusses und Wiederherstellung der Sauerstoffversorgung des Herzmuskels werden gerinnungshemmende Medikamente eingesetzt.

Medikamentöse Behandlung

  • Thrombolysetherapie: Durch Infusion von Medikamenten, die das Blutgerinnsel auflösen (Thrombolytika), kann das Ausmaß des Infarkts verkleinert werden.
  • Eine Infusion mit Nitropräparaten zur Erweiterung der Herzkranzgefäße während der ersten 24 Stunden kann erfolgen.
  • Um den Sauerstoffbedarf des Herzens zu verringern und es vor der schädigenden Einwirkung von Stresshormonen zu schützen, haben sich Betarezeptorenblocker bewährt, besonders wenn Bluthochdruck besteht.
  • ACE-Hemmer wirken auf das Hormonsystem und erweitern die Blutgefäße; sie werden auch gegen Herzkammer-Erweiterung verabreicht. Besonders Patienten mit Herzinsuffizienz werden ACE-Hemmer nach einem Herzinfarkt dauerhaft verschrieben.

Chirurgische Maßnahmen
Die Thrombolysetherapie ist nur bei etwa einem Viertel der Fälle von akutem Herzinfarkt möglich, vor allem da bei älteren Patienten Blutungskomplikationen drohen. Die Wiedereröffnung verschlossener Herzkranzgefäße und die Auflösung des Blutgerinnsels, die zum Herzinfarkt geführt haben, können invasiv (durch einen Eingriff) behandelt werden.

  • Beim Eingriff mittels eines Gefäßkatheters ist die Dehnung des betroffenen Herzkranzgefäßes durch eine Ballon-Dilatation möglich. Es kann das Gefäß auch mit einem winzigen Bohrer aufgefräst oder mittels Laser durchgängig gemacht werden, oder es wird lokal eine Thrombolyse versucht.
  • Da der Herzinfarkt ein Anzeichen für eine bestehende koronare Herzerkrankung ist, können in der Folge chirurgische Eingriffe wie die Bypass-Operation notwendig sein.

Heilungschancen
In über 80 Prozent der Fälle verläuft ein Herzinfarkt, wenn er rechtzeitig erkannt wird und wenn es zu keinen Komplikationen kommt, nicht tödlich. Die Heilungschancen hängen wesentlich davon ab, wie rasch der akute Herzinfarkt behandelt werden konnte. Geschädigtes Gewebe am Herzmuskel vernarbt, in diesem Bereich ist die Herzkammerwand dann nicht mehr voll kontraktionsfähig.
Die Überlebenschance hängt allerdings vom allgemeinen Gesundheitszustand und vom Alter der betroffenen Person ab. Bei entsprechend schneller und richtiger Behandlung erholen sich vor allem jüngere Patienten gut. Für ältere Patienten, vor allem ab 75 Jahren, ist die Überlebenschance nach einem Herzinfarkt geringer: 20 Prozent überleben den ersten Monat, 35 Prozent das erste Jahr nach einem Herzinfarkt nicht mehr.

Ergänzende Maßnahmen
Physikalische Therapie. Die Dauer der Behandlung auf der Herzüberwachungsstation beträgt zwischen 12 und 36 Stunden, wenn keine Komplikationen auftreten, danach werden Infarktpatienten in die Normalstationen des Krankenhauses gebracht und es beginnt die Wiederaufnahme leichter körperlicher Aktivitäten.
Nach einer Frühmobilisation mit Atemübungen beginnt schon in den ersten Tagen nach dem Herzinfarkt die Krankengymnastik. Das Ziel ist es, möglichst rasch die körperliche Belastbarkeit (wenn auch im eingeschränkten Umfang) wieder herzustellen. Körperliche Aktivität bringt den Kreislauf wieder in Schwung und hilft, weiteren Gefäßverschlüssen vorzubeugen.
Rehabilitation
Bei einem rechtzeitig behandelten, leichten Herzinfarkt wird der Patient nach etwa zehn bis vierzehn Tagen aus dem Krankenhaus entlassen. Nicht immer wird der Aufenthalt in einem Rehabilitationszentrum verordnet, sinnvoll und daher empfehlenswert ist er aber auf jeden Fall. Er sollte unmittelbar im Anschluss an den stationären Aufenthalt erfolgen. Deshalb ist ein Aufenthalt in einem Rehabilitationszentrum von vornherein einzuplanen. Wichtig ist es auch, den Hausarzt in die Rehabilitation einzubinden, das erleichtert die Schritte zurück in den Alltag.

Herz-Kreislauftraining
Nach einem schweren Infarkt kommt der Patient nach etwa drei Wochen in ein Rehabilitationszentrum für Herzpatienten. Es ist wichtig, die eingeschränkte Leistung des Herzens nach einem Infarkt durch die abgestufte Aufnahme körperlicher Bewegung wieder kontinuierlich zu steigern. Für Frauen gilt gleichermaßen wie für Männer, dass nach einem Herzinfarkt und einer Herzoperation ein sportkardiologisch abgestimmtes Training positive Auswirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem, die Skelettmuskulatur, den Stoffwechsel und die Blutbeschaffenheit hat.
Das Herz-Kreislauftraining ist kein Leistungssport. Schon durch leichte Übungen für möglichst viele Muskelgruppen werden mehr Blutfette verbrannt. Wichtig ist, dass das körperliche Training regelmäßig durchgeführt wird. Wer auch nach dem Aufenthalt in der Rehabilitationsklinik jeden zweiten Tag eine halbe bis eine Stunde weiter trainiert, erzielt einen optimalen Trainingseffekt mit einem sinnvollen Wechsel zwischen Aktivität und Entspannung. Empfehlenswerte Sportarten sind Wandern, leichtes Joggen, Radfahren, Schwimmen. Vor Aufnahme eines körperlichen Training sollte zumindest eine Belastungs-EKG gemacht werden.
Der Aufenthalt im Rehabilitationszentrum dauert mehrere Wochen. Es erfolgen weitere Herzuntersuchungen, die Behandlung mit Medikamenten wird fortgesetzt und es wird ein individuell abgestimmtes Rehabilitationsprogramm angesetzt. Der Patient lernt nun, wieder mit körperlichen Belastungen umzugehen und einem weiteren Herzinfarkt vorzubeugen - es ist auch wichtig, den eigenen Lebensstil im Zusammenhang mit der Krankheit zu überdenken. Wie wichtig es für die Heilung ist, mit
geöffnetem Herzen eine grundlegende Veränderung der Lebenseinstellungen herbeizuführen, hat sich in eindrucksvollen Studien erwiesen.

Entspannung

  • Es geht in der Rehabilitation nicht nur darum, wieder körperlich fit zu werden, sondern ein bewusstes Verhältnis zur eigenen körperlichen Belastbarkeit aufzubauen und mit Stress umzugehen. Dabei helfen Entspannungsübungen, Atemübungen, autogenes Training und Yoga - im Rehabilitationszentrum kann man die entsprechenden Techniken erlernen.
  • Ein Herzinfarkt bedeutet immer auch eine psychische Belastung, vor allem, wenn eine Herzoperation erfolgen musste. Da der Patient den eigenen Lebenswert in Frage gestellt sieht und nicht selten in Depressionen fällt, ist die psychologische Betreuung und die psychotherapeutische Behandlung ein Teil des Rehabilitationsprogramms.

Leben mit der Krankheit

Das neue Leben ist oft ungewohnt, vor allem was die Ernährungsumstellung und die Abgewöhnung der Zigarettensucht betrifft.
Es ist enorm wichtig, mit dem Rauchen aufzuhören: Wie Statistiken belegen, vermindert sich dadurch das Risiko, einen erneuten Herzinfarkt zu erleiden, um 50 Prozent.

Ernährung
Ein weiterer Punkt der Rehabilitation ist die Ernährungsumstellung. Herzinfarktpatienten sollten sich möglichst vitaminreich und weitgehend fettarm ernähren. Das hilft bei Gewichtsproblemen, denn die Reduktion von Übergewicht ist eine wichtige Vorbeugung gegen weitere Herzinfarkte und zur Einschränkung der Arteriosklerose. Richtige Ernährung bei Übergewicht :

  • Generell gilt das Gebot: möglichst fettarm. Statt tierischer Fette mehr pflanzliche Öle verwenden, allerdings auch dies in Maßen. Beim Kochen ist möglichst fettfreien Zubereitungsarten der Vorzug zu geben.
  • Vermieden werden sollten Wurst und fettes Fleisch, zu bevorzugen sind mageres Fleisch, Geflügel und Fisch.
  • Sparsame Verwendung von Salz.
  • Wenig Süßigkeiten. Schokolade und Torten enthalten viel Fett, Zucker ist schlecht für das Gewicht.
  • Einseitige Diäten, wie sie sich in gängigen Ratgebern oft finden, sind nicht zu empfehlen.
  • Mäßiger Alkoholgenuss regt Herz und Kreislauf an. Auch auf Kaffee muss nicht verzichtet werden.

Durch die fortgeschrittene Verkalkung der Herzkranzgefäße (Koronarsklerose) besteht vor allem bei älteren Patienten die Gefahr eines neuerlichen Herzinfarktes. Einem weiteren Herzinfarkt lässt sich durch eine gezielte Änderung der Lebensumstände entgegenwirken. Unmittelbare Schritte dazu sind auch die unter Vorbeugung genannten Selbsthilfemaßnahmen.

Mit Freude leben
Viele der angebotenen Rehabilitationsmaßnahmen haben mehr Aussicht auf Erfolg, wenn sie von Angehörigen des Patienten unterstützt werden. Der Patient braucht jetzt psychische Unterstützung und Ermunterung zum neuen Leben nach dem Herzinfarkt. Vor allem in den ersten Wochen nach dem Aufenthalt in einem Rehabilitationszentrum hilft der Kontakt zu einer Selbsthilfe-Gruppe für Herzpatienten. Schon bei der Behandlung im Krankenhaus sind Kontaktadressen zu erfahren. Es ist für Herzinfarktpatienten empfehlenswert, an den hier unter fachlicher Beratung aufgebauten Aktivitäts-Programmen teil zu nehmen, die neben den sportlichen auch soziale Aktivitäten bieten und dadurch helfen, mit den Folgen des Herzinfarktes zu leben. Der Austausch von Erfahrungen und der Kontakt mit Betroffenen in der Gruppe hilft auch, die psychischen Folgen des Herzinfarktes zu verarbeiten.
Hat der Arzt langfristig angesetzte Medikamente verordnet, dann dienen diese zur Vorbeugung von weiteren Herzbeschwerden. Auch bei einer spürbaren Besserung sollte das Absetzen von Medikamenten nur nach Rücksprache mit dem Arzt erfolgen, da sonst Komplikationen auftreten können.
Am wichtigsten ist es jedoch für Herzinfarkt-Patienten, den eingeschränkten Gesundheitszustand zu akzeptieren. Unter diesen Voraussetzungen wird es gelingen, die Vorbeugemaßnahmen konsequent durchzuhalten und damit die Risikofaktoren einer weiteren Herzerkrankung zu vermindern.

Nachuntersuchungen
Nach einem Herzinfarkt sollte der Patient seine Herzfunktion und seinen allgemeinen Gesundheitszustand regelmäßig vom Arzt untersuchen lassen. Fachärzte empfehlen die erste gründliche kardiologische Kontrolluntersuchung ein Vierteljahr nach der Entlassung aus der Rehabilitationsklinik, danach zweimal pro Jahr. Ein dabei durchgeführtes Ruhe-EKG bzw. Belastungs-EKG zeigt an, ob noch weitergehende Untersuchungen notwendig sind.
Außerdem sollte der Patient immer seinen Arzt aufsuchen, wenn neue Beschwerden auftreten, wie Angina pectoris, Atemnot bei Belastung, Schwindel oder geschwollene Beine.

Quelle: „surfmed”.

Diese Informationen können den Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Eine Diagnose und die individuell richtige Behandlung kann nur im persönlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient festgelegt werden. Aber diese Informationen können Ihnen helfen, sich auf das Gespräch mit dem Arzt vorzubereiten und Ihnen ergänzende Hinweise liefern

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