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Kurz vor meinem 53. Geburtstag hat der Blitz eingeschlagen. Samstagabend, wir waren gerade von einem Biergartenbesuch heimgekehrt, hatte ich plötzlich einen brennenden Schmerz genau über dem Sternum. Es fühlte sich an wie ein heftiges Sodbrennen, es war aber am falschen Ort. Viel zu hoch, nicht im Magen, wo es sein sollte. Ich wunderte mich. Was war das? Es tat so weh, es war so unangenehm, so fremd - und bedrohlich! Mir wurde schlecht. Ich konnte mich aber nicht übergeben. Dazu kam ein unglaublicher Schweissausbruch. Ich war so nass wie ein Hund, der gerade aus dem Wasser kommt, und sich das Fell ausschütteln möchte.
“Mutz, hol’ bitte den Notarzt”, das war alles, was ich noch zu meiner Frau sagte. Dann setzte ich mich in meinem Sessel zurück, und versuchte mich zu entspannen. Mir wurde irgendwie bewusst, dass hier irgend etwas ganz gewaltig aus dem Ruder lief. Das wird doch nicht etwa das Herz sein? Der Körper des Menschen ist in der Lage, sich mitzuteilen. Man muss nur lernen, auf ihn zu hören. Plötzlich standen 4 weiss gekleidete Männer um mich herum und waren sehr beschäftigt. Spritzen wurden gesetzt, ein EKG angeschlossen, ein Zugang am Handgelenk gelegt, für die Infusion.
„Wie geht es Ihnen, Herr G.?“
„Habe ich einen Herzinfarkt?“
Der Notarzt war sehr zurückhaltend in seiner Auskunft, aber es war schon zu hören, was er meinte. Er sah sich im Wohnzimmer um. Es roch nach Zigaretten, ein übergewichtiger Mann liegt im Fernsehsessel, eine nervöse Ehefrau kaut auf den Nägeln, auf dem Tisch steht ein Bier. Wie oft mag er diese Situation wohl schon gesehen haben? Ich wette mit Ihnen, dass diese Szene zu seinem täglichen Leben gehört. Und genau das ist das fatale daran. Der Arzt hat mich vorgewarnt. „Wenn Sie weiter Ihre 60 Zigaretten am Tag rauchen, sich nicht bewegen, werden Sie Ihre chronische Bronchitis nie los, und Ihr Herz wird das auf die Dauer nicht mitmachen.“ Wohl habe ich meinem Hausarzt zugehört, ich habe ihm auch geglaubt. Er muss es ja auch wissen. Aber, kaum aus der Praxis Zuhause, habe ich mir die nächste Zigarette angezündet. Nicht ohne ein schlechtes Gewissen.
Aber – schliesslich bin ich ja süchtig nach Nikotin. Diese Ausrede hat mich von jeder Verantwortung befreit.
Bewegen tu ich mich im Geschäft jeden Tag. Und das im Laufschritt. Das muss genügen.
Und Abnehmen fällt so schwer. Wo es doch so gut schmeckt z.B. im Biergarten.
Jetzt hatte ich die Rechnung erhalten für meine Ignoranz. Jetzt lag ich hier, im Krankenwagen, und wurde mit Blaulicht in die Klinik gefahren. Mittlerweile ging es mir wieder besser. Die Schmerzen waren weg, dank Morphium, und der Körper entspannte sich zusehends – aber die Angst – die sass sehr tief in mir
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